Wer etwas gutes produzieren will, benötigt dafür auch gute Rohmaterialien. Das gilt natürlich erst recht für Genussmittel wie Kaffee. Wer sich also selbst gerne mit dem Titel des Kaffeeliebhabers schmücken möchte, sollte also besser wissen, wem er seine Liebe schenkt!

Alle Kaffeebohnen sind Ausländer

Bei Kaffee denkt man ja, ähnlich wie bei Kokain, zuerst an Kolumbien. Das findet sich aber erst auf Platz 4 der Kaffee-Exporteure mit lediglich 6% des Gesamtvolumens. Keine Sorge! Bei Kokain sind die weiterhin Exportweltmeister. Platz 1 mit mehr als einem Drittel Marktanteil belegt Brasilien. Die exportieren offenbar mehr Kaffee als Fußballer. Platz 2 war für mich aber eine Überraschung: Vietnam mit immerhin 14% und damit mehr als Platz 3, Indonesien mit 7%, und die bereits erwähnte #4, Kolumbien, zusammen.

Der schwarze Saft der Produktivität ist ein Extrakt der Kaffeebohne. Die Kaffeebohne ist der Samen der Kaffeekirsche, die wiederum die Frucht der Kaffeepflanze. Die in reifem Zustand kräftig roten Kirschen wachsen in dichten Büscheln auf der strauchartigen laubblätterigen Mutterpflanze aus der Gattung der Rötegewächse (Rubiaceae). Ist jetzt für den gemeinen Kaffeetrinker nicht wirklich wichtig, aber ich will sicherstellen, dass wir die Botanik geklärt haben. In Zeiten, in denen Kinder glauben, Kühe seien lila, hat vielleicht nicht jeder eine Vorstellung davon, wo diverse Dinge des Alltags denn tatsächlich herkommen.

Die Kaffeekirschen werden aus Qualitätsgründen überwiegend von Hand selektiv geerntet, sprich nur die wirklich reifen Bohnen werden auch gepflückt. Lediglich bei großen Robusta-Plantagen werden auch maschinelle Verfahren mit anschließender Nachsortierung eingesetzt. Für unseren Genuss am Morgen sind also höchstwahrscheinlich ein paar unterbezahlte, nicht selten auch minderjährige, Erntehelfer durch die Büsche gejagt worden. Fairtrade hin oder her.

Um das uns als Konsumenten bekannte Erscheinungsbild als dunkelbraune wohlriechende Kaffeebohne zu erlangen, wird der Samen vom Fruchtfleisch getrennt, getrocknet und geröstet. Letzteres geschieht meist erst im Zielland. Dort hin gelangen die Bohnen in Säcken a 60kg auf dem Seeweg.

Fun Fact: Aus dem Fruchtfleisch wird in den Geburtsländern des Kaffees gerne eine Art Tee aufgegossen, der Cascara. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit ähnelt dem bekannten Chai-Tee und gilt vor Ort als Arme-Leute-Kaffee. Der auch als Coffea Tea bezeichnete Aufguss findet aber langsam seinen Weg als Hipstergesöff Trendgetränk in westliche Länder. Mir ist das Zeug bislang noch nicht untergekommen, aber ich werde meine Augen aufhalten und gegebenenfalls darüber berichten.

Zack, die Bohne!

Es gibt vierzig verschiedene Sorten Kaffee, relevant für uns Konsumenten sind aber lediglich Arabica und Robusta. Deren Bezeichnung findet man nämlich auch auf den Verpackungen wieder.

Die beliebtere Bohne ist die Arabica, welche in höheren Regionen langsamer reift und dadurch weniger Bitterstoffe entwickelt. Der Geschmack wird gerne als “fruchtig” bezeichnet, wobei ich persönlich niemals darauf gekommen wäre Kaffee und Früchte geschmacklich zu vergleichen. Aber die Experten werden schon wissen, warum sie Experten sind.

Der Robusta dagegen wächst in tieferen Lagen unter 600m schneller und ertragreicher, dafür eben mit mehr Koffein und Bitterstoffen. Das kann aber durchaus eine Bereicherung des Geschmackserlebnisses sein. Bitterschokolade ist ja auch nicht schlechter als normale Schokolade, nur anders. Dieser Vergleich kam jetzt nicht von ungefähr, denn das Aroma von Robusta-Kaffee wird gerne auch mit “schokoladig” oder “nussig” umschrieben.

Der Arabica ist wegen der geringeren Ertragsdichte teurer. Das verführt dazu ihn auch als besser wahrzunehmen. Und so findet man im Regal viele Packungen, die sich mit dem Prädikat “100% Arabica” als hochwertiger darstellen wollen, während so etwas wie 100% Robusta gar nicht erst verkauft wird. Das ist meines Erachtens aber etwas kurz gedacht.

Die meisten Kaffeekenner bevorzugen Mischungen, wobei die Verhältnisse für Arabica zu Robusta von 60:40 bis 90:10 liegen können. 100% Arabica wird von manchen Kennern sogar als unausgewogen empfunden. Die Mischung macht’s also und die Fähigkeiten des Rösters schlagen rassische Reinheit deutlicher als es bei der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten zuging. Aber dazu mehr im nächsten Teil.


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