Moderegeln scheint es mehr zu geben als deutsche Steuergesetze. Jedenfalls veröffentlicht jede Modezeitschrift, Fashionblog oder Lifestyle-Sendung regelmäßig eine Liste der angeblich aktuellen Do’s & Dont’s. Mal sind das zehn Punkte, mal nur fünf. Mal hat eine angesagte Fashionista der Fachpresse gezeigt, wohin sie die eine oder andere Regel schieben können, worauf hin diese zwei Wochen später daraus erst einen Trend, dann eine neue Regel macht.

Dem geneigten Leser mag jetzt ein gewisser Unterton meinerseits aufgefallen sein. Ja, ich halte dieses Spiel zum größten Teil für ausgemachten Blödsinn. Und der Grund ist einfach. Die Mode hat nur ein Gesetz! Ist das erfüllt, spielt alles andere keine Rolle mehr.

§1 Es muss gut aussehen!

 

Sieht das Outfit gut aus, ist jeder weitere Gedanke an Stylingregeln verschwendete Zeit. Nicht dass diese Regeln alle schlecht wären, aber sie sind eben nicht bindend. Sieht es gut aus, ist die oberste Regel erfüllt. Es muss keine weitere Prüfung durchgeführt werden. Mann kann sich guten Gewissens selbstbewusst der Öffentlichkeit präsentieren.

Richtlinien können allerdings wohl nützlich und damit eine gute Sache sein. Sie sind quasi die gesammelten und kodifizierten Erfahrungen unserer Altvorderen. Sie sind aber als gut gemeinte Ratschläge zu sehen, nicht als unumstößliches Gesetz . Jeder, der sich als Modepionier inszenieren will, versucht gar mit Gewalt so viele Regeln zu brechen wie nur möglich. Das ist die eigentliche Kunst: gut aussehen ohne sich über Regeln und Richtlinien überhaupt einen Kopf zu machen. Das kann aber nicht jeder. Schon gar nicht ohne Übung. Im Zweifelsfall greife ich persönlich dann auch lieber zur erprobten Richtlinie, denn:

Es muss gut aussehen!

Thomas

Etwas anders verhält es sich allerdings mit Konventionen. Damit meine ich gesellschaftliche Verhaltensnormen, wie z.B. Schwarz zu tragen bei einer Beerdigung oder der in der höheren Finanzbranche obligatorische dunkle Business-Anzug. Wer diese Normen bricht muss bereit sein auch die Konsequenzen zu ertragen, die ihm die normierende Gesellschaft als Strafe für Ungehorsam auferlegen wird. Das dürfte es in den meisten Fällen nicht wert sein.

Einem Gentleman liegt eine derartige Punk-Attitüde allerdings ohnehin fern, denn er möchte nicht unnötig provozieren. Sein Ziel ist es positiv aufzufallen und nicht ein Enfant Terrible zu spielen. Dem angehenden Gentleman rate ich also folgende Vorgehensweise in Bezug auf Regeln, Richtlinien und Konventionen der Mode:

  1. Gute Richtlinien für sich nutzen.
  2. Blinden Gehorsam vermeiden!
  3. Konventionen beachten!
  4. Immer wieder mal die Regeln biegen oder gar vorsichtig brechen wo keine Nachteile daraus entstehen können.

So kommt man über kurz oder lang zu einem guten und persönlichen Stil.
Und nicht vergessen: Es muss gut aussehen!

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