Wie ich im letzten Artikel schon geschrieben habe, eine Krawatte trägt man ordentlich oder gar nicht! Deswegen hier die erste Lektion „Krawattenknoten für Anfänger“. Wir behandeln hier den simpelsten aller Knoten, den dementsprechend genannten „Einfachen Krawattenknoten“, auch bekannt als „4-in-hand“.
 

Der Geist des Mannes zeigt sich in seiner Fähigkeit, die Krawatte zu binden.

Honoré de Balzac

Die Grundlagen

Ein paar Sachen vorneweg, die für das Krawattenknotenbinden allgemein gelten.

  • Ein Mann sollte in der Lage sein seine Krawatte selbst ordentlich zu binden bevor er auch nur darüber nachdenkt von sich als Gentleman zu referrieren! Hier lasse ich nur eine einzige Ausnahme zu: Der Mann hat einen Butler.
  • Jede Krawatte ist ein bisschen anders.
  • Es erfordert etwas Gefühl sie richtig zu binden und dieses Gefühl entwickelt man nur durch Übung.
  • Es geht hier nicht darum ein Schiff festzutauen sondern einen optisch ansprechenden Knoten bei richtiger Gesamtlänge zu bilden.
  • Die Schlaufen müssen also schön liegen anstatt einfach nur fest zu sein.
  • Das Zuziehen des Knotens ist der finale Akt in dieser Oper. Hier kommt es darauf an, die richtige Länge der Krawatte zu erzeugen und wieder nicht um Zugfestigkeit.
  • Die richtige Länge ist erreicht, wenn sich die Spitze zwischen Gürtel und Bauchnabel befindet. Nicht länger. Nicht kürzer.

Der einfache Krawattenknoten

Der sogenannte „Einfache Krawattenknoten“ ist, wie der Name schon erahnen lässt, der simpelste und auch kleinste aller Knoten. Diese Eigenschaften machen ihn zum idealen Anfängerknoten sowie besonders geeignet für schmale Krawatten und enge bis mittlere Kragenausschnitte. Der einfache Knoten hat lediglich einen kleinen Makel: Er ist leider nicht ganz symmetrisch und wirkt deswegen gerne etwas schief.
 

  • um den Nacken

Schritt für Schritt

Bild 1: Den Kragen hochklappen und die Krawatte mit der Vorderseite oben so um den Hals legen, dass das schmale Ende etwa bis zur Mitte des Oberkörpers geht.
 
Bild 2: Das lange Ende über das kurze kreuzen.
 
Bild 3: Das lange Ende horizontal hinten durch führen.
 
Bild 4: Das lange Ende horizontal vorne herum führen. Das lange Ende wird quasi einmal komplett um das kurze Ende herum gewickelt. Dadurch entsteht die kleine Schlaufe, deren Front am Ende den sichtbaren Teil des Knotens bildet.
 
Bild 5 und 6: Um aus dieser Konstruktion jetzt einen Knoten zu machen, muss das lange Ende von hinten nach vorne durch die große Schlaufe, die um den Hals liegt, geführt und dann von oben nach unten durch die kleine Schlaufe geschoben werden. Jetzt haben wir einen lockeren Knoten, der leicht Richtung Kragen geschoben werden und von da aus eng gezogen werden kann. Zuvor aber bitte noch sicher gehen, dass alles sauber liegt und nichts verdreht ist!
 
Bild 7: Beim Engziehen des Knotens gewinnt die Krawatte wieder etwas an Länge. Hier also nicht einfach zuziehen, sondern die Festigkeit der benötigten Länge anpassen.

Sollte keine zufriedenstellende Kombination aus schönem Knoten und passender Länge hergestellt werden können, hilft nur den Knoten wieder lösen und bei Schritt 1 das Verhältnis von kurzem zu langem Ende entsprechend anzupassen.

War das jetzt schwierig? Hat das weh getan? Lange dauern tut es auch nur die ersten Male. Für den einfachen Knoten benötige ich keine 20 Sekunden. Dabei ist schon reichlich Zeit für Ästhetik mit einkalkuliert. Es gibt also keine Ausrede für die seltsame männliche Marotte, eine einmal gebundene Krawatte in eben diesem Zustand im Schrank zu hüten wie Gollum seinen Schatz. Am Ende des Tages wird der Knoten vollständig gelöst und der Schlips sauber und ordentlich gerollt, gelegt oder gehangen!


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