Nach der neuesten Meldung, dass Whatsapp unter anderem die Telefonnummern der User an Facebook weiter gibt, ist das Wort “Datenkrake” wieder in aller Munde. Die Fachpresse lässt Artikel hageln. Die ersten Nutzer bereiten die allseits beliebten Datenschutzerklärungen zum Teilen auf Facebook vor. Da will ich auch mal meinen Senf mit dazu geben bevor das Sommerloch wieder vorbei ist.

Die Wolke

Ich persönlich nutze diverse Cloud-Dienste, allen voran die von Google, schon lange und gerne. Es ist einfach sehr sehr praktisch auf seine Sachen von mehr oder weniger überall mit jedwedem internetfähigem Gerät zugreifen zu können. Zum Beispiel schreibe ich die Rohfassung dieses Artikels mit Google Docs. Die Datei ist während der Eingabe schon gesichert, verfügt über einen Versionierungsverlauf und kann auch leicht jemandem zum Querlesen freigegeben werden. Tolle Sache!

Nutzt man ein Android-Handy werden die Kontakte automatisch synchronisiert und sind auch über einen Webbrowser verwaltbar. Wechselt man das Handy ziehen die nahtlos mit um. Über Postings in sozialen Netzwerken wie “Ich habe meine Handykontakte verloren. Bitte schickt mir eure Nummer!” kann ich nur müde lächeln.

Die dunkle Seite der Wolke

Die Cloud ist mächtig. Die Cloud ist nützlich. Aber es gibt auch ein dunkle…oder sagen wir etwas diesig anmutende Seite der Macht, die mir erst kürzlich wieder bewusst gemacht wurde. Eine Bekannte hat mir ihren Boarding-Pass auf meine Googlemail-Adresse zum Ausdrucken geschickt. Am nächsten Tag poppt unaufgefordert auf meinem Android-Handy eine Erinnerung hoch es wäre jetzt doch Zeit zum Flughafen aufzubrechen.

Googles künstliche Intelligenz war also schlau genug den Boarding-Pass zu lesen, die Abflugzeit und -ort sowie meinen aktuellen Standort in Relation zu bringen und mir rechtzeitig den Hinweis zu geben, dass ich jetzt besser aufbrechen sollte. Irgendwie cool was die Technik so drauf hat. Irgendwie erschreckend was die Technik so drauf hat.

Der Stasi feuchter Werbetraum

Eine dystopisch totalitäre Regierung hätte einen Level der Kontrolle den sich nicht einmal George Orwell ausdenken konnte. Ehemalige Stasi-Leute müssen feuchte Träume davon haben, was ihnen diese Informationen alles ermöglicht hätten. Ironisch dabei, dass der Kapitalismus so etwas mehr oder weniger beiläufig für Konsumzwecke abwirft.

Was mich ein wenig versöhnt hat war die Tatsache, dass die KI dann doch nicht schlau genug war zu erkennen, dass das es sich gar nicht um meinen Boarding-Pass gehandelt hat. Das hat mich auf eine Idee gebracht wie man die Kraken zumindest ein wenig hacken kann. Dazu später mehr.

Jedenfalls hilft es nicht auf Google allein zu schimpfen. Alle sammeln sie. Google, Apple, Facebook, Microsoft, Amazon…jeder der kann. Alles was sie kriegen können. Und es wird automatisiert ausgewertet. Im Normalfall ist das auch harmlos und dient in erster Linie Marketingzwecken. Wir bekommen maßgeschneiderte Werbung angezeigt. Das finde ich grundsätzlich nicht schlimmer als wahllos Werbung angezeigt zu bekommen. Meist ist die Mechanik dahinter allerdings zu dumm um die Werbung anzuzeigen, die tatsächlich ziehen könnte. Stattdessen zeigt sie nur mehr von dem, was ich ohnehin schon angesehen habe. Oft genug noch Wochen nachdem ich den Bedarf gedeckt habe. Da sind die Visitenkarten osteuropäischer Autoschieber spannender.

Gegenmaßnahmen

Was können wir jetzt dagegen tun? Außer “gar nichts” fallen mir da folgende drei Möglichkeiten ein.

Widersprechen

Die einfachste Lösung ist zum Beispiel auf Facebook ein Posting zu teilen, dass eindeutig und mit irgendwelchen Paragraphen geschmückt erklärt, dass wir eigentlich gar nicht bereit sind Dinge in sozialen Netzwerken zu teilen. Die nächste Welle ist sicher schon auf dem Weg und hilft dabei totale Vollhorste, die einfach hirnlos jeden Schwachsinn mitmachen, zu identifizieren. Nach dem Fremdschämen kann man sich direkt überlegen fühlen. Ganz ähnlich dem Effekt eines Nachmittags das Programm von RTLII zu verfolgen.

Kalter Entzug

Konten abmelden, Handy zerstören, Netzwerkkabel ziehen und in eine Buschhütte im australischen Outback ziehen. Dann ist man ziemlich safe. Off the grid, wie der Angelsachse sagt. Aus der Matrix. Als Neo der Hauptstecker gezogen wurde, musste er erstmal kotzen. Das würde vielen erstmal genauso ergehen. Cipher, der Verräter im ersten Teil, wollte gerne wieder zurück. Das virtuelle Steak war einfach deutlich besser als der Haferschleim der vermeintlich echten Welt. Es klingt wahnsinnig romantisch zu leben wie ein Mönch im Mittelalter. Nach einer Woche mit Plumpsklo und Cholera wünscht man sich dann aber vielleicht doch wieder fließend Warmwasser, Antibiotika und die Sportschau in HD.

Störfunk

Die Kraken sammeln alles. Wie ein Freßsüchtiger stopfen sie alles in sich hinein, was sie kriegen können. Gebt ihnen so viel, dass sie Durchfall bekommen! Sucht auf Amazon nach Tampons, Pampers, Cockringen oder etwas, das euch gar nicht interessiert. Schreibt euch auf Mailinglisten für werdende Mütter ein. Lasst die Krake glauben ihr seid ein genderfluider schizoider Shopaholic mit einem Faible für Rosamunde Pilcher. Mit anderen Worten: Erzeugt so viele Schrottdaten, dass die gar nichts mehr mit euch zu tun haben wollen.

Gläsern sind wir heutzutage sowieso alle. Machen wir also ein wenig Dampf auf die Scheibe! Oder halten einfach die Klappe.

Absolute Serienempfehlung am Rande, aber passend zum Thema: Mr.Robot

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