Eines der schrecklichsten Dinge, die man einem modernen Menschen antun kann, ist ihn aus dem warmen weichen Bett zu quälen noch bevor die Sonne am Himmel zu sehen ist. Wenige Dinge besitzen die Macht diesen Peitschenhieb angeblicher Zivilisation wieder erträglich zu machen. Eines davon ist der Gedanke an eine Tasse heißen frischen Kaffee!

Kaffee ist Liebe! Kaffee ist Leben!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich zum Kaffeetrinker wurde. Das Wort “Kaffeeliebhaber” spare ich hier bewusst noch aus, denn davon konnte noch lange keine Rede sein. Es war gegen Ende des letzten Jahrtausends und relativ zum Anfang meiner Dienstzeit bei der Bundeswehr. Ich hatte zuvor schon den einen oder anderen Kaffee getrunken, aber nur zu besonderen Anlässen. Mir hat das schwarze Gebräu eigentlich nicht sonderlich gut geschmeckt, mit genug Milch und Zucker aber war es erträglich.

Bei der Luftwaffe aber wurden daraus bald mehrere Tassen pro Tag. Jede Abteilung, zumindest aber jedes Gebäude, verfügte dort über seinen “Kaffee-Shop”, der unter Anderem besagtes Getränk zu meist recht günstigen Konditionen feil bot. Dieses Angebot wurde von den Kameraden gerne genutzt zu Pausen und sonstigen Leerlaufzeiten, an denen es nicht gemangelt hat.

Im Kaffee-Shop meiner Abteilung rühmten wir uns den günstigsten Kaffee des ganzen Geschwaders zu haben. Ein etwas zweifelhafter Ruhm, aber mit 50 Pfennig pro Tasse waren wir definitiv am billigsten preiswertesten. Ermöglicht wurde das durch quasi-industrielle Produktionstechnik in Form des “Kaffeereaktors”, wie ich das Gerät in scherzhaftem Bezug zu seiner Größe und chromigen Großküchenoptik zu nennen pflegte. Ein sogenannter Percolator mit Rundfilter und einer Kapazität von 50 Tassen oder mehr, die dann per Hahn abgezapft werden konnten.

Ein Produktionsdurchlauf hat sicher mindestens 45 Minuten gedauert, weshalb wir irgendwann noch eine Zeitschaltuhr davor geschaltet haben. Der letzte am Abend präparierte das Gerät mit Kaffeepulver und Wasser und aktivierte anschließend die Zeitschaltuhr. Der erste Ankömmling am nächsten Morgen konnte direkt den frischen Kaffee zapfen. Ein Wunder der modernen Technik aus dem Elektronikartikelkatalog, das gut funktionierte. Wenn etwas misslang war die Ursache meist menschliches Versagen. Dem Übeltäter wurden reichlich Missmut und Schmähungen zuteil bis die Meute mit frischem Kaffee wieder friedlich gestimmt werden konnte.

Wenn ich aber mit meinem heutigen Wissen über Kaffee und dessen Zubereitung daran zurückdenke, stellen sich mir die Haare im Nacken auf, denn wir haben damals so ziemlich alles dafür getan, keinen guten Kaffee zu brühen. Kaffee ist ein Frischgenußmittel. Je frischer, desto besser! Das geht los mit möglichst frischem Kaffeepulver, denn schon wenige Minuten nach dem Mahlen dünsten diverse Aromastoffe aus, die der Enthusiast eigentlich lieber in der Tasse haben möchte. Das Pulver eine Nacht lang offen über dem Wasser zu halten ist also eher ungünstig. Den fertig gebrühten Kaffee dann über weite Teile des Tages hin warm zu halten verfeinert den Geschmack auch nicht gerade, es sei denn man wird gerne an die Bitterkeit des Seins erinnert. So musste das Ganze dann mittels Milch und Zucker wieder genießbar gemacht werden. Moderne Alchemie. Kaffee Bambi. Rehbraun und süß.

Deswegen würde ich mein damaliges Ich auch nicht als Kaffeeliebhaber bezeichnen. Ein Liebhaber kennt sich aus und schmeckt gerne möglichst unverfälschte Aromen. Wenn man das Grundgetränk aber bis zur Unkenntlichkeit verdünnt, ist man kein Liebhaber sondern eher Vergewaltiger…oder vielleicht Freier.

Meine Mission für die nächsten paar Artikel ist also Euch das Rüstzeug für den Weg vom Kapselkaffeetrinker hin zum wahren Kaffeeliebhaber mitzugeben. Dabei werde ich auf die wichtigsten Aspekte von der Bohne bis zum genüsslichen Schlürfen eingehen ohne mit zu vielen Details zu langweilen. Versprochen.


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