Ich liebe ja den Sommer! Sonne und hohe Temperaturen wirken bei mir wie Katalysatoren für das Seelenfeuer. Bei mehr als 30° Celsius dürfen Fünfe auch mal grade sein und guter Stil ist weniger wichtig als ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit. Nichtsdestotrotz gibt es da eine Sache, die sich für mich auch nicht mit Hitze entschuldigen lässt: Kurzarmhemden.

Es benötigt schon einen gewaltigen Sexappeal, etwa im Format eines Magnum Tom Selleck zu besten Zeiten…mit Schnauzer(!), um das wieder ausgleichen zu können. Dann wird sogar ein 80er Jahre Hawaii-Hemd erträglich…auf Hawaii…im roten Ferrari. In einer deutschen Fußgängerzone wirkt dieser Inselzauber eher weniger.

Aber warum ist das so? Darüber habe ich mir mittlerweile mehr Gedanken gemacht, als mir lieb ist. Ich meine, jeder Mensch mit Sinn für Ästhetik spürt einfach, dass die Dinger sche…nicht gut aussehen. Das reicht mir aber nicht! Ich will der Sache ein für allemal auf den Grund gehen!

Ich glaube, die Sache hat mehrere Ebenen. Einmal, die rein optische. Trägt man das Kurzarmhemd so wie ich im Titelbild hier, wirken die viel zu weiten Ärmelstumpen wie Schwimmflügelchen. Korrekt mit Falte gebügelt erst recht. Mein Oberarmumfang müsste ungefähr das Doppelte sein um nicht streichholzhaft zu wirken. Da hab ich leichter das Hemd verbrannt.

Die andere Ebene ist etwas subtiler. Ein Kurzarmhemd ist per se ein unförmliches…ich würde ja sagen auch unförmiges…Kleidungsstück. Versucht man das nun in einen eher förmlichen Charakter zu zwängen, entsteht ein Widerspruch. Und dieser Widerspruch bekommt noch ein dickes fettes Ausrufezeichen, versucht man diese Förmlichkeit mittels einer Krawatte zu zementieren.

Des Finanzproduktverkäufers schreckliche Sommeruniform.

Des Finanzproduktverkäufers schreckliche Uniform.


Meiner Meinung nach ist das wirklich ein der schlimmsten Modesünden überhaupt. Nicht einmal, die Leute, die es tatsächlich so tragen, machen das freiwillig. Meist handelt es sich dabei um Finanzproduktverkäufer unterer bis mittlerer Hierarchieebene im Schneeballsystem oder Sparkassenangestellte mittleren Alters. In den Kreisen ist Krawatte Pflicht, lange Ärmel am Hemd aber offenbar nicht. Ein klarer Fehler im System! Selbst in der Anzugsordnung der Bundeswehr steht ziemlich eindeutig: Kein Langbinder zum Kurzarmhemd! Wenn sogar das Militär so eindeutig Stellung bezieht in Sachen Mode, sollte einem das zu denken geben.

 
Aber jetzt mal andersrum. Wie sollte Mann umgehen mit Kurzarmhemden?
Am besten gar nicht! Das ist mein voller Ernst. Es gibt keinen legitimen Grund dafür überhaupt eines zu besitzen. Zieht ein reguläres Hemd an und krempelt die Ärmel hoch, wenn’s sonst zu heiß ist! Fertig. Sieht in jedem Fall…und ich meine wirklich jedem Fall…besser aus als die Schwimmflügelärmelstumpen eines Halbarmhemdes. Alternativ ist ein gut sitzendes Polo-Shirt deutlich ästhetischer und kann heutzutage auch mal mit Sakko getragen werden, wenn es denn abends doch zu frisch wird.

Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen. Finger weg von dem Zeug! Selbst wenn’s billig ist!

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