Bei klassischen Singlebörsen findet das Matching mehr über einen Algorithmus statt der gemeinsame Interessen vergleicht. Dazu müssen die eigenen Vorstellungen an den Traumpartner möglichst gut in das Bewertungsschema der jeweiligen Plattform übertragen werden. Vorher sollte man sich selbst und seine Vorzüge ebenfalls in diese Metrik fassen. Möglichst objektiv und ehrlich. Genau das dürfte den größten Schwachpunkt der klassischen Methode darstellen. Ehrliche Menschen finden sich ja vielleicht sogar noch, aber objektiv gegenüber sich selbst sein ist dann doch etwas viel verlangt.

Aber jetzt erstmal ein kurzer Überblick über die wichtigsten “unklassischen” Free2Date-Apps, die man als Single von Heute auf seinem Smartphone hat oder haben sollte.

Tinder

Tinder funktioniert hier anders und zwar überhaupt nicht objektiv, dafür sehr simpel und subjektiv nach dem Prinzip der gegenseitigen Zustimmung. Hot or not? Die App präsentiert einem Profile anderer Teilnehmer entsprechend der gesetzten Suchkriterien. Geschlecht, Alter von-bis sowie maximale Entfernung zum eigenen Standort stehen zur Auswahl. Danach geht es in etwa so weiter: Mann bekommt das Hauptprofilbild einer Dame präsentiert und hat jetzt die Optionen nach rechts zu wischen für Zustimmung, nach links für Ablehnung oder sich das ganze Profil genauer anzusehen, sollten noch Zweifel oder auch nur Neugier bestehen.

Nach rechts wischen bedeutet, er findet sie interessant und würde gerne in Kontakt mit ihr treten. Die entsprechende Dame bekommt den Bewerber mehr oder weniger beiläufig ebenfalls zur Wahl, sofern er in ihren Filter passt, und muss nun ihrerseits ebenfalls nach Rechts wischen um Interesse zu bekunden. Sind beide aneinander interessiert ist das ein Treffer, oder neudeutsch ein Match. Erst nach erfolgtem Match können sich die Beiden anschreiben…oder auch nicht. Vorher geht’s jedenfalls überhaupt nicht.

Optik ist hier also klar das Hauptkriterium. Es gibt aber auch die Möglichkeit neben mehreren Bildern einen Freitext mit in sein Profil aufzunehmen. Dazu später mehr.

Nach links zu wischen sollte aber gut überlegt sein, denn einmal weggewischt, kommt das Profil auch nicht mehr. Wisch und weg! Einzige Ausnahme ist, wenn man sich die Premiumfunktion bucht. Damit können zumindest die letzten Entscheidungen revidiert werden. Desweiteren erhält man dort auch die Möglichkeit mehrerer Superlikes. Vergibt man ein solches über wischen nach oben, wird diese erhöhte Wertschätzung dem Gegenüber extra angezeigt. Normalbenutzer bekommen da nur einen pro Tag frei Haus.

Once – Die Eintagsfliege

Der neueste Stern am Dating-Himmel ist die App “Once”, die sich mit massiven Werbebudget in allem möglichen Medien als quasi Anti-Tinder präsentiert. Dort wird angeblich noch von Hand gepaart, also eine menschliche Person und keine seelenlose mathematische Formel übernehmen die Verkuppelung der Kupplungswilligen. Das geschieht nur einmal pro Tag.
Ich habe diese App noch nicht verwendet und hatte es auch nicht vor. Ich bezweifle eher, dass diese angebliche Qualität die fehlende Masse ausgleichen kann, wobei ein Vorschlag pro Tag bedeutet sieben die Woche. Ist eigentlich durchaus reichlich. Jedenfalls ist klar, dass die irgendwo das Geld für ihr Marketing wieder reinholen wollen und so kann man sich Extra-Matches mit Geld erkaufen.

Lovoo – Love or Fake

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Das Besondere an dieser App ist die Ortungsfunktion, die einem mögliche Kontakte in der näheren Umgebung anzeigt. Siehe Titelbild. Das nennt man im Volksmund auch “Schlampenradar”. Theoretisch könnte man hier date-willige Leute in nächster Umgebung entdecken, anschreiben und sich auch gleich treffen. In der Praxis zeigt es aber lediglich den Ort des letzten Logins mit aktiver Ortungsfunktion an. Das bedeutet, die meisten der Treffer sind gar nicht tatsächlich dort und vielleicht auch schon seit Wochen nicht mehr eingeloggt.

Darüber hinaus gibt es auch eine Hot-or-Not-Spielfunktion, die ähnlich wie das Tinder-Matching funktioniert. Allerdings werden einem hier Kontakte immer und immer wieder vorgesetzt. So kann es kommen, dass man ein und diesselbe junge Dame mehrfach virtuell bezirzt ohne es zu merken. Das macht jetzt eher keinen guten Eindruck beim Flirten sondern wirkt eher etwas verzweifelt auf das Subjekt der Begierde.

Profile können außerhalb des Match-Spiels und des Radars nicht einfach so eingesehen werden sondern müssen erst für 20 Credits (umgerechnet irgendwas zwischen maximal 24 Cent und minimal 7 Cent, je nach Paket) freigeschalten werden. Zumindest gilt das für Männer. 5 Credits gibt es pro Tageslogin gutgeschrieben. Vier Tage enthaltsam bleiben ergeben damit ein kostenlos freigeschaltetes Profil.

Freigeschaltene Profile können dafür dann aber auch ohne vorheriges Match angeschrieben werden. Im Gegenzug können Chatfilter aktiviert werden, die verhindern, dass man zugespamt wird. Um jetzt trotz eines solchen Chatfilters doch noch zu seiner Angebeteten durchzudringen gibt es, ja richtig erkannt, eine käuflich erwerbbare “Ich schreib dir! Ob du willst oder nicht!”-Funktion. Oder man nimmt gleich das Monatsabo des VIP-Pakets, welches dann alle sonstigen Funktionen gleich beinhaltet plus einem schicken VIP-Wimpel-Symbol, mit dem man sich direkt als zahlenden Vollidioten Kunden identifiziert.

Die Grundlagen sind damit geklärt. Im nächsten Artikel kommen wir dann zum ersten Mythos. Stay tuned!

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