Dating-Apps sind mittlerweile nichts Neues mehr. Ihre Vorgänger, die Partnervermittlungs- bzw. Single-Börsen gibt es nun seit mehr als 10 Jahren. Sehr viele benutzen sie oder haben es zumindest schon mal versucht. Noch mehr haben eine Meinung dazu. Oft ist diese abwertend. Gerne hört man auch so etwas wie “Wer braucht schon so einen Quatsch? Geht doch einfach raus!” oder ähnliches. Ich denke mir dann immer, wer braucht schon Smartphone, Whatsapp und E-Mail? Man kann doch auch eine Postille mit dem Federkiel schreiben, mit Wachs versiegeln und mit der Postkutsche versenden. Aber vielleicht bin ich da zu neumodisch.

Für mich sind solche Börsen einfach eine weitere Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu treten, denen man sonst vielleicht nie über den Weg gelaufen wäre. Es vereinfacht manche Dinge. Es vereinfacht sie teilweise so sehr, dass ein Mensch nur auf sein Profilbild reduziert wird. Wisch nach Rechts bedeutet interessant. Wisch nach Links, danke für’s…ja nichts eigentlich. Dasselbe geschieht im Prinzip auch live in Bars oder Clubs. Es fehlt lediglich der Videospielcharakter. Dafür ist man eher betrunken. Hat also beides seine Tücken. Schlimm wird’s erst, wenn man zuhause beim Tindern trinkt und vielleicht auf die Idee kommt, ein Bild seines Geschlechtsteiles wäre ein adäquater Einstieg in leichte Konversation.

Mythos Sexportal

Es kursieren viele Mythen und Vorurteile über Dating-Apps. Vor allem bei denen, die sie nicht benutzen. Speziell zu Tinder. Da geht’s nur um schnellen Sex. Wer da angemeldet ist will nur… ihr wisst schon. Ich vermute mal, dieses Image wurde seinerzeit gezielt verbreitet, denn wenn irgend etwas diese Industrie finanziell lukrativ macht, dann notgeile sexuell ausgehungerte unterforderte Männer mit Hoffnung auf unkomplizierten überhaupt mal Sex.

Frauen sind dabei der Köder die Attraktion und werden meist von Kosten seitens der Betreiber verschont. Im Internet ist immer Ladies Night. Attraktive Frauen sind im Dating-Bereich die Mangelware und jede auch nur ansatzweise attraktive Dame wird sofort von einer überwältigenden Anzahl Männchen rücksichtslos auf’s Heftigste bebalzt. Der Konkurrenzdruck unter den paarungswilligen Herren ist gewaltig. Hemmungen nicht vorhanden. Charme und Finesse meist genauso wenig.

Die Anbieterseite, also die Frau, kann die eingehenden Anfragen gar nicht alle beantworten oder gar eingehend prüfen. Also wird radikal aussortiert und nur die interessantesten Kandidaten kommen überhaupt in die nächste Casting-Runde, die schriftliche Kommunikation. Nur wer auch hier besteht hat die Chance auf ein Vorstellungsgespräch in Form eines Dates. Für die älteren Leser: Das ist ein Rendezvous. Ein persönliches Treffen von Angesicht zu Angesicht. Ganz klassisch.

Ich kenne ein paar Frauen, die Dating-Apps verwenden, und rede auch gelegentlich mit ihnen über das Thema. Was die mir so zu den Flirtversuchen der Männerwelt berichten ist teilweise haarsträubend. Das liegt meines Erachtens daran, dass diese Männer keine Ahnung von Frauen haben und deswegen mit völlig falschen Annahmen an die Sache heran gehen. Die gar nicht so unterschwellige Marketingbotschaft dieser im Volksmund sogenannten Sexportale tut ihr übriges dazu. Deswegen will ich da mal etwas Licht ins dunkel bringen.

Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf Tinder, aber die angesprochenen Dinge sind eigentlich universell und gelten prinzipiell auch für andere Plattformen.

Stay tuned!

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