Jeder kennt Gatsby. Zumindest hat man den Namen schon mal gehört. Viele haben die Verfilmung mit dem wie immer hervorragenden Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle gesehen und einige vielleicht auch den Roman mal gelesen. Nur wenige aber dringen in die Tiefen der Geschichte vor. Dabei strotzt diese nur so vor Symbolik, die tiefgreifende Aussagen enthält, wegen denen “Der große Gatsby” zu den bedeutensten Werken der amerikanischen Moderne zählt.

Genau diese Symbolik werde ich hier möglichst spoiler-arm kurz an- und in weiteren Teilen deutlich spoilerhaft näher ausleuchten. Wer die Geschichte noch nicht kennt, kann hier noch beruhigt weiterlesen und Film oder Buch erst noch unbeeinflusst auf sich wirken lassen. Später gibts dann aber auf die Backen und wir gehen auf einen kurzen Tauchgang in die Tiefen der eigentlichen Bedeutung. Danach werdet ihr alles mit anderen Augen sehen und vielleicht Lust bekommen auf eine zweite Runde Film oder Buch.

Mir ging es jedenfalls so. Ich habe den Roman zum ersten Mal einige Wochen vor der Filmpremiere 2013 gelesen und konnte nicht wirklich nachvollziehen, warum der als so bedeutend gilt. Die Sprache ist unzweifelhaft sehr schön, besonders im amerikanischen Original. Die Charaktere sind aber etwas eigenartig, teilweise sogar richtig unsympathisch und einige Szenen sind eher seltsam anmutend. Das Ende… Achtung! Spoiler! …ist tragisch.

Kurz darauf habe ich die Verfilmung von 1974 angesehen. Robert Redford spielt hier Gatsby eher uninspiriert und Mia Farrow kann als Daisy den Funken auch nicht so wirklich überspringen lassen. Der Film bleibt der Romanvorlage relativ treu. Dennoch sehenswert wird er aber durch die Mode. Das Kostümdesign brachte damals den Oscar. Verantwortlich für die männliche Ausstattung ein damals noch wenig bekannter Ralph Lauren. Seit dem steht Gatsby nicht mehr nur für die Wilden Zwanziger und fulminante Parties, sondern auch für herausragend elegante Garderobe.

Dann kam 2013 Regisseur Baz Luhrmann und fuhr alles bislang dagewesene mit einem dicken gelben Bulldozer über den Haufen. Die Kostüme sind fulminanter, die Parties gigantischer, pompöser und dekadenter als je zuvor, der Soundtrack strotzt vor modernen Beats und zeitgenössischen Popstars, ja die gesamte Erscheinung ist übernatürlich und überzeichnet. An manchen Stellen dazu noch in 3D. Leonardo DiCaprio spielt Gatsby nicht nur, er verkörpert ihn! Ich hätte ihm den Oscar gegeben. Aber auch die restliche Besetzung liefert ordentlich. Der Film fühlt sich an wie ein einziges Feuerwerk und beeindruckt auch ohne tiefere Beschäftigung mit der Story. Achtung! Spoilerchen. Mein rhetorischer Bulldozer hier ist nicht zufällig gelb. Die Auswahl der Farben im Roman ist nämlich bedeutungsvoll. Achtet mal auf die Verwendung von Grün, Gelb und am Ende auch Blau!

Hier noch ein kleiner Kickstarter in die Handlung:

Nick Carraway zieht 1922 in ein kleines Häuschen auf Long Island, ganz in der Nähe von New York City. In der benachbarten Villa finden häufig ausschweifende Parties statt. Über den Gastgeber kursieren viele, teils haarsträubende Gerüchte, aber keiner scheint ihn wirklich zu kennen oder auch nur gesehen zu haben. Auch nicht Nicks Cousine Daisy, die auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht im Anwesen ihres steinreichen Mannes Tom wohnt, das unter Anderem über einen Bootssteg mit einer eigentümlichen grün leuchtenden Laterne verfügt. Als Nick von einem Besuch dort zurückkehrt erhascht er einen kurzen Blick auf eine Gestalt die scheinbar voller Sehnsucht hin zu dem grünen Licht dieser Laterne blickt. Kurz darauf bekommt er eine handgeschriebene persönliche Einladung zur nächsten Party im Nachbarhaus. Absender ist Jay Gatsby…

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