Es wird Zeit zu beginnen. Doch bevor ich Euch mit auf die Reise nehme, sollten die Rahmenbedingungen geklärt werden. Wer darf überhaupt mit auf die Tour? Wer ist noch nicht groß genug für die Achterbahn? Wessen Herz ist zu schwach für diese Bergwanderung? Wo gehen wir überhaupt hin und gibt’s da ein gutes Steak am Ende?

Wir sind alle erstmal nur Menschen. Nur etwa die Hälfte in etwa hat das Glück in der Chromosomenkombination auf diesen Erdball losgelassen zu werden, die durch das Kultivieren ihrer Gesichtsbehaarung nicht unbedingt an Ästethik einbüßt, dafür aber gerne mal strenger riecht. Abgesehen davon sind wir nicht so unterschiedlich, wie uns Mario Barth gerne unterstellen mag.

Anders gesagt, vieles was den gemeinen Mann zu einem Gentleman macht, würde auch die einfache Frau, sollte so etwas überhaupt existieren, zu einer Gentlewoman, oder vielleicht besser Lady, erheben. Um dem Genderneutralitätswahnwitz unserer Zeit gerecht zu werden könnten wir vielleicht auch den Begriff Gentlebeing verwenden. Ein menschliches Wesen von vornehmer Anmut und Güte. Klingt das nicht einfach schön?

Soweit zu Menschenthemen. Aber auch deutlich geschlechtsspezifische Gebiete, wie zum Beispiel die Mode, können auch geschlechterübergreifend interessant und nützlich sein. Die meisten Frauen wünschen sich, ihr Partner würde sich etwas gewählter kleiden und präsentieren. Zumindest gelegentlich. Besser häufig. Ich wünsche mir das übrigens auch, denn geht man offenen Auges durch eine durchschnittliche deutsche Innenstadt ist das ein modisch wenig inspirierendes Erlebnis. Dabei könnte mit einfachen Mitteln die Gesamtästhetik dramatisch angehoben werden. Leiden müssten darunter wohl nur die Verkaufszahlen von Funktionsjacken- und Sportschuhherstellern. Die Deutschen lieben es offenbar eine gewisse sportliche Polarexpeditionsoptik zu pflegen bei ihren Exkursionen in potenziell lebensfeindliche Fußgängerzonen. Da wird gerne jegliche Eleganz für etwas mehr Überlebensfähigkeit geopfert.

Ich werde hier also in Zukunft auch Modetipps für den modernen aber zeitlosen Mann von Welt und Statur geben, denn Kleidung ist ein mächtiges Werkzeug um die Erscheinung zu beeinflussen. Und die Erscheinung ist zusammen mit Haltung, Bildung, Kommunikation und Charme eines der fünf großen Themengebiete, in denen sich ein wahrer und eleganter Gentleman von einem ungehobelten funktionsjackentragendem Höhlenmann abhebt. Damit habe ich jetzt auch schon den Fahrplan für die Reise enthüllt.

Alle diese fünf Bereiche stehen gleichberechtigt neben- und in Wechselwirkung zueinander. Nur zusammen ergeben sie ein Ganzes und das Ganze wiederum ergibt mehr als die Summe seiner Teile. Ähnlich einem Puzzle, das nur erfolgreich zusammengesetzt ein bestimmtes Bild ergibt. Ein schönes Bild! Das Bild eines vollendeten Gentleman.

Wie diese gleichberechtigten Partner zusammenspielen und wie die feinen Zahnräder eines Uhrwerks präzise ineinandergreifen um einen gemeinsamen Takt zu erzeugen, will ich hier ganz kurz anreißen:

Die Haltung ist gleichzeitig die Wurzel und das Verbindungsglied. Ohne sie, innerlich wie äußerlich, ist man kein Gentleman, sondern sieht bestenfalls einem ähnlich. Sie hat Einfluss darauf wie wir kommunizieren, wie wir erscheinen, für was wir uns interessieren und damit in welchen Bereichen wir uns gerne bilden. Wie wir erscheinen hängt davon ab, was wir kommunizieren und vor allem auch wie wir das tun. Es wird maßgeblich bestimmt über die Körpersprache, die Augen, die Art und Weise zu sprechen, den Kleidungsstil und ultimativ über den Charme, den wir versprühen können. Der Charme wiederum ist der Ausdruck des eigenen Wohlwillens gegenüber den Menschen, mit denen man kommuniziert, gepaart mit Verstand, Witz und Humor. Er verströmt einen gewissen Zauber, der eine Person von einem steifen und unnahbaren Sozialroboter zu einem anziehenden, im Falle des anderen Geschlechtes vielleicht sogar zu einem ausziehenden, menschlichen Wesen macht.

Das sollte wohl genügen um die grobe Marschrichtung für dieses Segment zu verdeutlichen. Darüber hinaus werde ich auch andere Themen erörtern. Je nachdem wie es sich anbietet.

Zum Abschluß ein für mich sehr prägnantes Zitat, das für mich erstklassig ausdrückt wie ein echter Gentleman auf sein direktes Gegenüber wirken kann, wenn das Bild vollendet ist.

Es war ein so besonderes Lächeln, wie es einem vielleicht vier oder fünf Mal im Leben zuteil werden mag, ein Lächeln, das einem für alle Ewigkeit Mut zusprach. Es nahm – so schien es wenigstens – für einen Moment die gesamte äußere Welt in Blick und konzentrierte sich dann mit unwiderstehlicher Voreingenommenheit ganz und gar auf einen selbst.

Nick Carraway über seine erste Begegnung mit Jay Gatsby – „Der große Gatsby“ – F. Scott Fitzgerald

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