Ich bin ja jetzt schon ein paar Jahre auf dieser Welt und durfte dabei schon einige Modetrends beobachten. Wenn ich da so zurückblicke kommt mir manchmal der Gedanke, die Vergangenheit sei eine einzige, niemals enden wollende Bad-Taste-Party gewesen.

Fangen wir mal in den 70ern mit der Disco-Bewegung an. Schlaghosen, übertriebene Hemdkragen und dazu noch Plateauschuhe… Da braucht es schon viel John Travolta bei BeeGee’s Musik um nostalgisch drüber schmunzeln zu können. Dann die schrillen Looks der 80er, mit Schulterpolstern und neonfarbenen Aerobic-Klamotten…oh weh oh weh! Ohne die ikonische Musik wäre dieses Jahrzehnt ein komplettes Modedesaster gewesen! Leider brachten die 90er keine Erlösung. Oversized alles, Baggy pants, Buffalo’s mit Plateausohlen, white-washed Jeans und dazu weiße Gürtel, Vokuhila mit Schnauzbart, eine Schlagerwelle und wieder mal Schlaghosen.

Auch danach wurde es nicht entscheidend besser. Gangsta-Style mit dem Hosenbund irgendwo an den Knien, oder moderner, Skinny Jeans mit Pampers-Schritt, wie sie Justin Bieber gerne trägt. Man findet quasi niemanden mehr mit Körperbehaarung oder ohne Tattoos. Junge Mädels sind uniformiert in Turnschuhen zu Leggings, wobei die Fußknöchel selbst bei Minusgraden unbedeckt bleiben. Oder aber sie stecken in High Raise Jeans, die bis zum Bauchnabel gehen. Hosen sollten nicht bis zum Bauchnabel gehen!

Da sind viele Sachen dabei, wo man sich fragt, wie kann so etwas überhaupt geschehen? Irgendwer muss doch merken, dass das sch…recklich aussieht!

Die Antwort lautet “Trends”. Diese kollektive Wahrnehmungsverzerrung, die sich etwa im Intervall einer Grippewelle auf weite Teile der Bevölkerung ausbreitet, das Ästhetikzentrum im Gehirn beeinträchtigt, Augenweh und Kopfschmerz erzeugt…also bei den Nicht-Infizierten…bis sie irgendwann langsam abklingt oder von der nächsten Geschmacksverirrung abgelöst wird, die meist nicht minder schrecklich ist.

Die Ursache muss wohl im Gruppenzwang zu suchen sein. Der gemeine Primat ist offenbar darauf programmiert einfach alles zu tun um Gruppenzugehörigkeit nach außen zu demonstrieren. Besser schlecht angezogen als allein, lautet das Motto. Und Reste dieser uralten Programmierung versaut mir jetzt den Gang in die Innenstadt. Danke Evolution! Danke.

Was ist das Gegenmittel?

Es ist die Ästhetik. Die ist nämlich zeitlos. Was wirklich ästhetisch ist, hat schon vor hundert Jahren gut ausgesehen und es wird auch noch in hundert Jahren gut aussehen. Wie zum Beispiel der klassische Herrenanzug. Den gibt es in seiner heutigen Form schon seit dem 19.Jahrhundert. Entstanden aus der Jagdkleidung des englischen Landadels liegt sein Erfolgsrezept wohl in Einfachheit, Zurückhaltung und dadurch Komfort und Praxistauglichkeit. Schlichte Eleganz.

Ich kann jedem nur raten neue Trends erst einer eingehenden Prüfung zu unterziehen…und sie im Zweifelsfall links liegen zu lassen zugunsten eines klassischen Modestils! Das erspart einem die eine oder andere Peinlichkeit und dazu noch bare Münze. Die ist besser investiert in einen zeitlosen Look.

Don’t be trendy. Be classy!

Thomas, TheGrandseigneur.de

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